Nach unseren wunderschönen zwei Wochen im Raja Ampat Paradies mussten wir noch zwei Nächte in Sorong einlegen, bevor es für uns weitergeht. Naja, eine Nacht wäre theoretisch auch gegangen, da wir aber das 12-Stündige Public Cargoboat von Fam nach Sorong genommen haben, wollten wir lieber etwas Puffer einbauen.
Abschiedstour durch Raja Ampat
Die lange Fahrt von Fam nach Sorong war sozusagen unsere Abschiedstour durch Raja Ampat. Laut offiziellem Fahrplan fährt das Boot jeden Samstag um 9 Uhr ab. Wir hatten aber im Vorfeld schon gelesen, dass es eigentlich direkt ablegt, wenn die Beladung abgeschlossen ist und das kann auch schon mal um 7:30 Uhr sein.
Die Fähre legt außerdem in Fambemuk ab und so musste Perez uns dort erst hinfahren. Er meinte aber, dass wir das Schiff von unserem Steg sehen können und somit genau wissen, wann wir los müssen. Wir sind vorsichtshalber trotzdem zum Sonnenaufgang aufgestanden, und das Boot stand tatsächlich schon da. Die Rucksäcke waren gepackt, die Fried Banana zum Frühstück haben wir uns eingepackt und nach einem fixen Kopi sind wir um 06:45 Uhr los. Die Fahrt dauert nur ein paar Minuten, und am Pier angekommen, konnten wir direkt aufs Boot… und dann legen wir auch direkt ab. Hä? Um 7 Uhr? Und was wäre gewesen, wenn wir noch im Homestay gefrühstückt hätten?
Naja, letztendlich egal, denn wir waren an Bord und schipperten die nächsten 10 Stunden durchs Raja Ampat Archipel. Die Fahrt war ganz entspannt, es wurde an Deck gegrillt, wir haben Karten gespielt, Hotels bewertet, gelesen und gechillt.
Das Schöne: In Raja Ampat sind selbst die Cargoboote nett gestaltet. Überall waren Pflanzen und schöne Graffitis an den Wänden; da lässt es sich doch viel besser aushalten, als auf einer tristen Fähre.





In Sorong sind wir direkt ins Hotel und haben erstmal die wunderbare Regendusche genossen. Auch wenn ich mich die letzten zwei Wochen schon an die erfrischende Kelle gewöhnt hatte. Klospülung ist auch klasse und der erste Blick in den Spiegel war schon komisch. Ansonsten haben wir noch ein bisschen Supermarkt-Sightseeing gemacht, beim Lalapan-Stand gegessen und sind dann auch schon ab ins Bett.



Die Vorzüge eines Hotels
Wir haben extra ein etwas besseres Hotel für die zwei Tage gebucht, weil wir wussten, dass Sorong nicht allzu viel zu bieten hat. Und so konnten wir erstmal mit einem ausgiebigen Training in dem hervorragendem Gym in den Tag starten. Es macht uns immer wieder besonders viel Freude, wenn wir wieder so richtig mit Gewichten trainieren können. Im Anschluss gab es ein sehr ausgiebiges Frühstück vom sehr reichhaltigen und vielseitigen Frühstücksbuffet: Eierstation, Salate, Fruits, zig warme asiatische Speisen, Fried Banana, Cornflakes, Toast, Pancakes, diverse Kuchen und Roti… hier ist wirklich für jeden was dabei! Und wir haben so richtig geschlemmt.


Im Anschluss wollten wir uns ein bisschen bewegen und Schritte machen und so sind wir raus auf die Straße und ab zur nächsten Mall. Und wir merkten wieder direkt: Sorong ist einfach keine schöne Stadt. Es ist laut, stickig, dreckig und stinkig. Es war für uns diesmal auch extrem anstrengend, dass wir von fast jedem angeschaut oder angesprochen wurden. Die Menschen kennen hier einfach keine Diskretion – sie zeigen mit dem Finger auf dich oder starren dich minutenlang an. Fast jeder Roller, der an dir vorbeifährt hupt genau vor deiner Nase, so dass dein Trommelfell fast zerplatzt. Im Supermarkt verfolgen dich die Kinder und machen heimlich Fotos und Videos von dir. Das kann auf Dauer wirklich anstrengend werden. Und so kam es auch, dass wir nach gerade einmal zwei Stunden zurück im City Life dem Stadtkollar sehr, sehr nahe waren. Und uns ein Grab zurück zum Hotel genommen haben. Ihr kennt uns; Bis wir uns ein Taxi nehmen, statt zu Fuß zu gehen, muss schon einiges passieren 😅
Den Nachmittag haben wir dann entspannt am Pool verbracht, wobei man auch hier nicht sicher vor den heimlichen Fotografen ist. An einem Punkt bin ich einfach aufgestanden und habe zurück fotografiert, aber das stört die Menschen überhaupt nicht: Die Kids haben sogar noch für mich posiert 😂


Nachlässigkeit kann sich rächen
Acht Wochen sind wir jetzt unterwegs und hatten bisher keine schlechten Erfahrungen. Nach den entspannten zwei Wochen in Raja Ampat, wo wir unseren Bungalow nicht mal abschließen konnten (was ohnehin wenig Sinn gehabt hätte, da er an den Seiten offen war), hat uns die lockere Atmosphäre wohl etwas nachlässig gemacht. In Sorong ließen wir unsere Wertsachen das erste Mal außerhalb des Safes – und das sollte sich rächen.
Als wir am Abend vom Dinner zurückkamen, sah ich schon am Ende des Gangs einen Mitarbeiter aus unserem Zimmer kommen. Ich war mir nicht sicher, ging näher heran und sah dann, wie die Tür langsam zufiel und nicht richtig schloss – unsere Tür war nämlich leicht kaputt und musste mit etwas Schwung zugezogen werden. Wir sprachen den Mitarbeiter sofort an. Er behauptete, das „Please Clean Room“-Schild habe an unserer Tür gehangen und er habe nachsehen wollen, ob unser Zimmer schon gereinigt wurde. Abends um 19 Uhr? Und noch dazu hatten wir den ganzen Tag das „Do Not Disturb“-Schild an der Tür. Da stimmte was nicht.
Ein kurzer Check im Zimmer zeigte, dass Laptop und iPad noch da waren, und das Bargeld hatten wir bei uns – also dachten wir zunächst, alles sei in Ordnung. Im Zimmer haben wir dann aber nochmal alles gründlich gecheckt und mir fiel ein, dass ich Omas Notgeld von 100€ an einem anderen Ort hatte. Und tatsächlich: Der Schein war verschwunden.
Im ersten Moment hab ich total an mir selbst gezweifelt und alles auseinandergenommen, ob ich das Geld nicht doch woanders verstaut habe. Ich war mir natürlich sicher, an Diebstahl konnte ich aber einfach nicht glauben. Aber die 100€ waren weg. Und so sind wir runter zur Rezeption und haben den Vorfall geschildert.
Überwachungskameras wurden gecheckt, allerdings mit einigen Aussetzern. Ich durfte mit in den Videoraum – bis der Hotelmanager persönlich kam und das Kommando übernahm. Freddy blieb immer wieder im Zimmer, weil wir Sorge hatten, dass der Dieb zurückkommen könnte und womöglich noch das MacBook mitnimmt, zumal wir dann erst merkten, dass der Safe im Zimmer defekt war.
Nach einer Weile rief der Manager an und bat uns, ihn an der Bar zu treffen. Als wir auf dem Gang dorthin gingen, sahen wir den Mitarbeiter, der in unserem Zimmer gewesen war. Freddy zeigte ihm einen anderen 100€-Schein, und in den Augen des Mitarbeiters blitzte es. Er redete schnell auf Indonesisch und machte eine Geste, als hätte er das Geld „vom Boden aufgehoben“. Wir nahmen ihn mit zur Lobby und erklärten dem Hotelmanager: „This is the guy.“
Doch dem Hotelmanager interessierte das gar nicht und er blieb zunächst ruhig und führte uns weiter in die Bar. Hier wartete noch eine zweite Person, der Personalmanager des Hotels.
Das Ergebnis: Der Mitarbeiter behauptete, er habe den 100€-Schein vor unserem Zimmer gefunden. Und dann kam die Überraschung: Sie holten den Schein hervor – damit hatten wir nie gerechnet. Zwar könnten sie uns das Geld nicht direkt zurückgeben, da es als Beweisstück für die Polizei diente, aber sie boten uns stattdessen den Betrag in Rupiah an und als Entschädigung eine kostenlose Übernachtung.
Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet. Wir hatten uns längst mit dem Verlust abgefunden, und plötzlich bekamen wir alles zurück, samt Rückerstattung der letzten Nacht. Besonders beeindruckend war der Einsatz des Hotelmanagers, der sich sehr bemühte und sich mehrfach bei uns entschuldigte. Vielleicht kam uns da unser „europäischer Tourist“-Status zugute – hier will man wohl keine Touristen verärgern.
Und so kam es wie so oft: Ende gut, alles gut.

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