Der Wecker klingelt um 05:25 Uhr. Aufstehen, Zähne putzen, letzte Sachen packen. Und los geht’s zum Community Center. Hier können wir unser großes Gepäck lassen, bevor es mit unseren Militärrucksäcken runter zum Fluss geht.
Über den Fluss in den Dschungel
Wir wurden von unserem Guide und einem Koch begleitet. Mit einem kleinen Boot fuhren wir den Fluss Richtung Dschungel entlang. Auf dem Weg sammelten wir zwei kleine Boote ohne Motor ein, und zogen sie hinter uns her. Es gab Kaffee, Tee und Frühstück: Reis mit Gemüse, Omelette und Mini-Bananen.
Die Stimmung auf dem Fluss war super mystisch. Es war Dämmerung und total nebelig. Das sah schon einmalig aus. War aber tatsächlich ein bisschen kalt 😅





Insgesamt fuhren wir rund zwei Stunden mit dem Boot, bevor wir in die kleineren, motorlosen Boote umstiegen. Es sollte ruhiger sein, damit wir Tiere und Vögel beobachten können. Aber außer vielen Schwalben, Makaken und Hornbills bekamen wir diesmal nichts zu sehen. Und nach gut 40 Minuten legten wir an. Jetzt sollte die Wanderung beginnen. Endlich! So früh aufstehen und dann erstmal wieder zwei Stunden sitzen ist so gar nicht unsers. Wir hatten also ordentlich Hummeln im Po 😄


10 km durch den Dschungel
Vom Flussufer ging es relativ gemütlich und eben durch den Dschungel. Unser Guide war schon etwas älter, rauchte und wirkte generell nicht mehr so fit. Und das merkten wir auch im Tempo und den kleinen Pausen, die wir regelmäßig einlegen mussten. Das herausfordernste an der Tour waren die schweren Rucksäcke 😅



Und so erreichten wir unser Camp bereits um 14:30 Uhr! Den restlichen Nachmittag hieß es daher für uns: ausruhen, nix tun und aufs Dinner warten. Zum Glück haben wir uns mit unserer Reisebegleitung Claudia gut verstanden und hatten genügend Themen zum quatschen.
Trinkwasser gab es bei der Tour lediglich 3l zum Start; der Rest sollte in den Camps aus den Flüssen abgekocht werden. Der Fluss in unserem ersten Camp war allerdings gar nicht mehr vorhanden und so tranken wir tatsächlich abgekochtes Wasser aus einem stehenden Gewässer 🫣

Unser Schlafplatz war ein kleiner Unterschlupf, in dem wir unsere Hängematten aufhängten. Die Hängematten waren ganz cool, denn sie waren mit einem integrierten Moskitoschutz ausgestattet. So konnten wir uns vor den (und anderen) Viechern in der Nacht zumindest sicher fühlen.


Zum Abendessen gab es Gemüsesuppe und Reis oder Nudeln. Besonders herausragend war es nicht, aber der Hunger trieb es rein… Richtig komisch: wir haben gesehen, wie der Koch Fleischspieße gegrillt hat, aber Freddy und Claudia erst auf Nachfrage etwas davon bekommen haben. Sowas haben wir bisher bei keiner Tour erlebt! Eigentlich bekommen immer erst die Gäste – da wollte sich wohl jemand das gute Fleisch gönnen 😂
Eine Nacht unter freiem Himmel im Dschungel
Und um 20 Uhr lagen wir dann auch schon in der Hängematte. Mehr zu tun gab es nicht. Wir hatten etwas Sorge, dass das Schlafen nicht besonders bequem oder überhaupt möglich sein würde. Aber hier können wir sagen: das ging echt viel besser als erwartet. Man konnte sich sogar auf die Seite legen. Und so schliefen wir tatsächlich über 10 Stunden bis 6:30 Uhr am nächsten Morgen.
Zum Frühstück gabs weißes Baguette mit Omelette… hm, da sind wir bei unseren anderen Touren aber wirklich immer extrem verwöhnt worden. Aber wir wollten schließlich raus aus der Komfortzone 😅



Nochmal 10km… durch Dschungel, über Wiesen und Waldbrände
Nach dem Frühstück ging es los. Die Rucksäcke waren bereits merklich leichter, weil wir nicht mehr so viel Wasser hatten. Also war das Laufen auch nicht mehr so anstrengend. Und da unser Guide weiterhin extrem langsam unterwegs war, hatten wir tatsächlich beim wandern einen Puls von 80 – verrückt!
Als erstes erreichten wir ein Wasserloch, welches normalerweise viele Tiere anzieht, aber leider ausgetrocknet war. Dementsprechend war hier auch nicht viel zu sehen.

Am Ende der riesigen Fläche sahen wir kleine Feuer; das Feld brannte stellenweise. Das fanden wir bereits total erschreckend, wussten aber zu dem Zeitpunkt noch nicht, was uns gleich im Dschungel erwarten würde. Denn tatsächlich liefen wir die nächste Stunde komplett durch Waldbrand. Natürlich nicht durch Flammen, aber der Boden war komplett mit Asche übersäht und Baumstümpfe und Äste glühten und schwelten weiterhin vor sind hin 🤯 das war crazy!





Wenn wir darüber nachdenken, finden wir es immer noch absolut erstaunlich, dass wir da durchgelaufen sind. Für unsere Atemwege war das definitiv mehr als reizend und auch mental war das ziemlich hart zu sehen…
Ein kleines Highlight gab es dann im Dschungel aber doch noch. Wir haben nämlich einen Skorpion gesehen! Zwar nicht mehr lebendig, aber es war trotzdem richtig cool, dieses Tier einmal aus nächster Nähe und in freier Natur zu sehen. Und irgendwie auch besser tod, als lebendig, oder?

Als wir endlich aus dem Wald kamen, ging es weiter über Feldwege; teilweise gesäumt von Cashewbäumen. Hier konnten wir die Frucht der Cashew probieren. Wir wussten gar nicht, dass man die essen kann, schmeckt aber super saftig. Außerdem haben wir auch eine ganz frische Nuss bekommen, die war viel weicher, als man sie sonst kennt. Das war schon ein kleines Highlight!



Im Anschluss ging es durch ein kleines Dorf (wo man übrigens Wasser kaufen konnte!! Also hätten wir das Tümpelwasser gar nicht trinken müssen…). Und wir erreichten um 12:30 Uhr das zweite Camp. Wow! In der Tourbeschreibung hieß es, dass wir an den zwei Tagen insgesamt 50km laufen würden. Wir kamen aber gerade mal auf 20km. Wo lag hier der Fehler? Stimmt die Beschreibung einfach nicht oder hat der Guide abgekürzt? 🧐
Das Camp lag diesmal leider auch nicht so schön im Dschungel, sondern einfach an der roten Staubpiste. Zwar konnte man zu einem Wasserfall und baden, aber vom Camp hat man diesen nicht sehen oder spüren können. Und so haben wir etwas gemacht, was wir noch nie gemacht haben: uns dazu entschieden die Tour vorzeitig abzubrechen.
Es hat uns total geärgert, dass wir nur so wenig gewandert sind bzw. die Tour auch generell nicht anspruchsvoll war. Denn das war ja unser einziger Wunsch: möglichst viel laufen. Da haben wir uns mit der Dame im Community Center wohl missverstanden 🫠 Abgesehen davon hätten wir nun den zweiten Tag in Folge einfach nur im Camp sitzen können, ohne Aktivitäten oder Programm. Nach dem vorherigen Nachmittag und den 10 Stunden Schlaf hatten wir aber im wahrsten Sinne des Wortes Hummeln im Arsch 🤣
Also haben wir beschlossen nach dem Lunch und einer Abkühlung im Wasserfall die restliche Strecke nach Chi Phat zu Fuß zurückzulaufen. Die Strecke sollten wir am nächsten Tag eigentlich mit einem Roller gefahren werden 😵💫
Der Wasserfall
Am Wasserfall konnten wir uns schön abkühlen und so richtig erfrischen (und den Staub entfernen). Das hat richtig Spaß gemacht. Auch wenn der Wasserfall nicht mehr allzu viel Wasser hatte – man konnte noch schwimmen und eine Abkühlung war es auch.




14km roter Sand
Schön erfrischt ging es für uns dann zu Fuß zurück Richtung Chi Phat. Unser Guide hat uns leider überhaupt nicht verstanden und wollte eigentlich auch nicht erlauben, dass wir alleine zu Fuß gehen. Ich glaube in seiner Welt gab es das Szenario „viel Wandern“ einfach nicht. Er selbst hätte die ganze Strecke vielleicht auch gar nicht geschafft. Also sind wir zu dritt auf eigene Faust losmarschiert. Die vielen Kilometer taten unseren Beinen richtig gut!
Unser Guide hat aber (ganz süß) weiterhin über uns gewacht. Er hat sich zwischendurch immer ein paar Hundert Meter von einem Roller mitnehmen lassen und ist das weiter marschiert, bis wir wieder außer Sichtweite waren. Dann hat er sich wieder mitnehmen lassen 😅
Nach guten drei Stunden kamen wir in Chi Phat an – und haben unsere Beine endlich gespürt; genau das, was wir wollten. Was für ein gutes Gefühl!

Ende gut, alles gut
Im Community Center stand dann noch das Gespräch mit den Verantwortlichen an, um zu klären, warum wir die Tour frühzeitig abgebrochen haben. Da sie in erster Linie nicht den Rahmendaten entsprach (20km statt der beschriebenen 50km Wanderung), wollten wir auch gerne ein wenig Geld zurückerhalten. Das Gespräch verlief eigentlich ganz gut, auch wenn sie sich am Anfang etwas rausreden wollten. Wir sind hart geblieben, konnten viel Feedback geben und am Ende ist alles gut ausgegangen: wir mussten nur den Preis für eine 2-Tages-Tour zahlen (79€), bekamen unser Dinner noch von unserem Koch und konnten eine weitere Nacht im gleichen Homestay für 10$ schlafen.
Und so sind wir am Ende dann doch zufrieden mit der Tour. Es war eine tolle Erfahrung eine Nacht unter freien Himmel im Dschungel in der Hängematte zu schlafen. Es war auch eine Erfahrung diese schlimmen Waldbrände zu sehen – das regt einen wieder zum Nachdenken an, was mit unserer Natur eigentlich passiert. Und am Ende sollten wir wohl auch mal die Erfahrung machen, wenn eine Tour nicht absolut so läuft, wie wir uns das vorgestellt haben. Und hey, wenn wir doch eines auf der Reise gelernt haben: es läuft immer anders, als man denkt 😉

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