Die Besteigung des Mount Rinjani – das klingt schon nach so viel Abenteuer. Mit 3.726m ist der Rinjani der zweithöchste Vulkan Indonesiens. Der Gipfel oft in den Wolken, strahlt der Berg irgendwie eine totale Magie aus. Und eine Anziehungskraft, die wir schon 2016 spürten.
Schon damals wollten wir den Rinjani besteigen, doch einen Tag vor der Tour fühlten wir uns nicht wohl und haben den Trip deshalb abgesagt. Dieses Jahr sollte es aber endlich soweit sein und wir haben lange auf den Trip hingefiebert. Nachdem wir die Tour wegen Freddys Krankheit nochmal um eine Woche verschieben mussten, ging es letzten Donnerstag endlich los!
Tag 1 – Ankunft in Senaru
Um 10 Uhr wurden wir in Kuta abgeholt und sind in knapp 3 Stunden ganz in den Norden Lomboks in das Bergdorf Senaru gefahren. Dort haben wir bei unserem Trekkinganbieter Green Rinjani eingecheckt, ein leckeres Mittagessen bekommen und mussten anschließend zum Briefing. Hier wurde uns nochmal der gesamte Verlauf der Tour und ihre Schwierigkeit beschrieben; danach hatten wir dann tatsächlich noch ein bisschen mehr Respekt und wussten: Das wird hart. Aber wir haben die letzten Jahre so viel trainiert und zwar für genau so etwas – damit wir fit sind und solche Dinge machen können.

Den Nachmittag hatten wir zur freien Verfügung und haben ihn genutzt um zwei Wasserfälle zu erkunden. Den ersten Wasserfall Sedang Gile erreicht man zu Fuß in ca. 10 Minuten über eine gut begehbare Treppe. Der Wasserfall liegt schön im Dschungel und stürzt einige Meter in die Tiefe.



Zum zweiten Wasserfall Kiu Telep muss man nochmal ca. 30 Minuten durch den Dschungel wandern. Dabei mussten wir auch zweimal ein Flussbett durchqueren; gut, dass Freddy diesmal Turnschuhe anhatte 🤣 Halt immer so wie man es nicht braucht…
Am Ende wartet ein riesiger Wasserfall mit mehreren Strahlen und Pools in denen man auch baden kann.





Interessant ist, dass unter dem Weg eine Art Kanalsystem entlangführt. An einigen Stellen ist die „Röhre“ offen und dort steigen die Kinder dann mit Gummireifen ein und nutzen den Kanal als Rutsche. Finden wir irgendwie gruselig 😅
Nach einem leckeren Dinner mit Aussicht auf die Berge mussten wir dann noch zum Medical Check: Blutdruck, Puls und Blutsauerstoff wurden überprüft und wir mussten ein paar Fragen zur unserer Gesundheit beantworten. War alles schnell erledigt, so dass wir einigermaßen früh ins Bett kamen. Sehr erholsam war die Nacht aber nicht, denn wir waren ganz schön aufgeregt.
Tag 2 – von Sembalun zum Crater Rim
6 Uhr aufstehen, 6:30 Frühstück, 7 Uhr Abfahrt: So sind wir am Freitag in die Tour gestartet. Von Senaru mussten wir zuerst nach Sembalun fahren; denn wir machen die Tour auf der Sembalun Route, das heißt wir starten dort und kommen nach Senaru zurück. Die Fahrt dauert ca. eine Stunde und wir hatten von unterwegs immer wieder herrliche Ausblicke auf den Rinjani – da steigt die Vorfreude, aber auch die Aufregung.
Bevor es richtig losgeht, mussten wir uns noch im Rinjani Trekking Center registrieren. Fun Fact: Wir wurden von unserer Agency mit unseren alten Reisepässen angemeldet; so mussten wir uns auch damit ausweisen. Wie gut, dass man die alten Bilder noch aufm Handy hat 🤣
Danach ging es dann aber wirklich endlich los. Am Eingang zum Trek haben wir unseren Guide Jef kennengelernt; ein junger Typ direkt aus Senaru.



Die erste Etappe ging von 1.051m bis zur POS 3, Pada Balong, auf 1.800m. Der Weg war normaler Schotter und man kam gut voran. Und so kamen wir auch schon nach knapp zwei (statt drei) Stunden an und es gab das erste Lunch: Reis mit CapCay, Tofu, Tempeh & Ei. Für Freddy gab es zusätzlich Beef Redang. Außerdem: Ein riesiger Teller Fruits 😋




Danach sollte es für weitere drei Stunden steil den Berg hinauf über Sand und Gestein bis zum Crater Rim auf 2.639m gehen. Dieses Stück war schon deutlich anstrengender und herausfordernder, aber trotzdem konnten wir wieder Zeit gutmachen und kamen schon nach zwei Stunden am Kraterrand an. Hier sollte dann auch unser Nachtlager sein.
Unseren Guide hatten wir zwischenzeitlich übrigens verloren. Er war etwas krank (Husten) und kam irgendwie nicht hinterher – irgendwann war er dann ganz weg 🤷♀️
Im Camp werden die Zelte von den Portern aufgebaut. Wir hatten ein Zelt für uns & ein Toilettenzelt. Außerdem noch ein Zelt für unsere Porter und den Guide.




Die Porter
Die Porter sind unserer Meinung nach die Helden des Bergs. In zwei Bambuskörben an einer Stange, tragen sie das ganze Equipment den Berg hinauf: Zelte, Matten, Schlafsäcke, Kissen, Kochutensilien, Essen, Trinken… Das ganze machen sie schneller als jeder Wanderer, und dann noch in Flipflops! Unsere zwei Porter haben sich die Tage hervorragend um uns gekümmert; denn sie tragen die Sachen nicht nur; sie bauen auch alles auf und kochen für dich – they just take care of you!

Wir hatten einen super Zeltplatz in erster Reihe am Crater Rim, am Abend nur keine Aussicht; denn wir waren in den Wolken. Das Beste, was ein Porter dann machen kann? Ein heißes Curry servieren, wenn es gerade so richtig kalt wird. Das schmeckte einfach fantastisch und hat dazu super gewärmt. Im Anschluss ging es dann für uns auch schon gegen 19 Uhr ins Zelt – denn für den Aufstieg zum Gipfel sollten wir um 2 Uhr schon wieder aufstehen.


Tag 3 – Der Aufstieg zum Gipfel
Um 2 Uhr sollten wir aufstehen, 2:30 kleines Frühstück und um 2:45 Uhr los. Ab 1 Uhr waren wir wach 😂
Das kleine Frühstück bestand aus Roti Bakar, also Toast mit irgendwas schokoladigem und Kaffee bzw. Tee. Und dann ging es um 2:52 Uhr los.

Das erste Stück verläuft extrem steil den Berg auf den Kamm hinauf. Der Weg ist sandig und man muss sich richtig mit den Füßen einhaken, um nicht nur zurückzurutschen. Es ist stockdunkel und über die eigene Stirnlampe kann man immer nur den nächsten Schritt sehen. Das ist ungewohnt, weil man sonst übers periphere Sehen total viel wahrnimmt. Nach gut einer Stunde extremer Anstrengung hatten wir den Kamm erreicht.
Darauf folgt dann ein Stück dass nicht ganz so steil, dafür aber noch gerölliger ist. Und es wird kalt. Bitterkalt. Und windig. So windig, dass man zwischenzeitlich denkt den Abhang runter zu wehen. Wie Dänemark. Jeder Schritt ist pure Anstrengung. Die Schnodder läuft dir nur so aus der Nase (ohne Schnupfen!), du kannst immer schwerer atmen, weil der Wind und Staub dir jede Luft nimmt. Und irgendwann macht sich der Geist bemerkbar. Eine kleine Stimme, die flüstert: „Das ist zu viel für dich. Du musst umkehren.“
Freddy und ich haben zeitgleich tatsächlich ans Aufgeben gedacht. Denn die letze Stunde zum Gipfel wird nochmal richtig hart. Es ist super steil und auf dem Geröll machst du zwei Schritte vor und eineinhalb zurück. Doch der Aufstieg selbst ist nicht das schlimmste; das härteste ist der Wind, die Kälte, die Dunkelheit und der Staub in der Lunge.
Und dann war da dieser Stein. Ein großer Felsen, an den wir uns festgehalten haben. Und ich höre Freddy sagen: „Das ist nur der Kopf. Wir sind fit. Jetzt ist nur unsere mentale Stärke gefragt.“
Das hat den Schalter umgelegt. Auf einmal konnte ich wieder atmen, und wir haben uns „Step by Step“ die letzte Stunde weiter bis zum Gipfel hochgekämpft. Bis wir oben waren – pünktlich um 5:49 Uhr zum Sonnenaufgang 🤩
Vom Gipfel hast du einen grandiosen Ausblick auf ganz Lombok, den Kratersee und die Berge. Ich hab mich gefühlt als hätte ich gerade den Mount Everest bestiegen, Freddy als wäre er bis auf den Mond gewandert 😄









Auf einmal fragten wir uns: Wo ist eigentlich Jef? Wir wollten natürlich ein schönes Fotos von uns auf dem Gipfel, aber unser Guide war mal wieder lost… Glücklicherweise ist ein anderer eingesprungen. Erst dann haben wir realisiert, dass wir den ganzen Weg auf den Gipfel ohne Guide gegangen sind – und das bei den Bedingungen!
Kurz unterhalb des Gipfels haben wir uns eine kleine Nische im Felsen gesucht und völlig euphorisiert ein paar Nüsse gegessen. Danach ging es dann an den Abstieg: und der hat recht Spaß gemacht, denn wir hatten jetzt Rückenwind und konnten uns über das Geröll den Berg einfach so runtersliden. Die Schuhe waren zwar schwarz und durch die Steine zwei Kilo schwerer, aber der Abstieg war dadurch deutlich entspannter – vor allem dank des Rückenwinds!





Eine knappe Stunde unterhalb des Gipfels hinter Felsen haben wir dann übrigens Jef wiedergefunden. Er hat hier ein kleines Nickerchen gemacht, aber uns zumindest mit Schokolade und Oreos begrüßt.
Es ging noch eine weitere Stunde rutschend über Sand und Geröll den Berg hinunter, bis wir gegen 08 Uhr wieder im Camp angekommen sind. Hier erwartete uns schon ein prächtiges Frühstück aus Vegetable Omelette mit selbstgemachten frischen Pommes und einem riesigen Teller Fruits – das war einfach nur himmlisch! Und diesmal hatten wir von hier auch einen tollen Blick auf den Kratersee 😍

Wir waren staubig, platt aber auch extrem stolz, dass wir das gemeistert haben. Erst als wir zurück im Camp waren, haben wir realisiert, wie wenig Menschen es überhaupt zum Gipfel geschafft haben. Wir waren als einer der ersten oben am Gipfel, aber im Camp waren schon ganz viele – alle, die auf dem Weg umgekehrt sind. Jef hat uns erzählt, dass es generell nur ca. 50% rauf schaffen; diesmal sind aufgrund des Sturms wahrscheinliche sogar noch mehr umgekehrt.
Tag 3 – Abstieg zum See und Aufstieg zum Senaru Crater Rim
Nach der Gipfelbesteigung war der Wandertag für uns noch nicht zu ende. Denn wir hatten noch 7 weitere Stunden vor uns. Zuerst ging es 639m bergab zum Segara Anak Lake. Der Weg verläuft erst steil über Felsen am Hang hinab und wir mussten teilweise die Hände zur Hilfe nehmen. Später geht es dann durch Graslandschaft bis runter an den See.





Der Segara Anak Lake entstand durch einen Vulkanausbruch des Mount Rinjani vor etwa 12.000 Jahren, bei dem sich der Krater bildete. Der See füllt diesen Krater und wird durch Regen- und Grundwasser gespeist. Sein Name bedeutet übersetzt „Kind des Meeres“ – in Anspielung auf das tiefblaue Wasser, das an das Meer erinnert.
Vom See hat man einen tollen Blick auf den aktiven kleineren Vulkan Gunung Barujari – dieser „Vulkan im Vulkan“ ist eine echte geologische Besonderheit.
Am See konnten wir endlich mal etwas den Staub vom Körper waschen und unsere Füße und Beine abkühlen. Das Wasser hat ungefähr 20 Grad, also eine richtige Erfrischung. Im Anschluss gab es Lunch direkt am See und ein wenig Zeit zum Entspannen. Im See gibt es übrigens Fische und unser Guide hat ein paar fürs Abendessen geangelt.
Als nächstes mussten wir dann den ganzen Weg vom See wieder hoch zum Kraterrand, diesmal auf der Senaru-Seite. Also ging es wieder ca. 640m hoch. Der Weg verläuft erst durch eine Schlucht über Felsen und später am Hang entlang über Stock, Stein, Brücken und Leitern. Das war gut anspruchsvoll und auch anstrengend, besonders für unsere „Summit-Legs“. Für Wanderanfänger ist die Tour auf jeden Fall nicht geeignet.



Nach ca. zweieinhalb Stunden purer Anstrengung inkl. Klettereinheiten haben wir es dann geschafft und sind im Camp für die zweite Nacht angekommen. Unser Zelt stand schon auf einer kleinen Ebene mit bester Aussicht auf den Norden von Lombok. Dieses Camp war deutlich kleiner und es kam uns so vor, als wenn es nur für bestimmte Gruppen war.
Nach einem leckeren Dinner, zu dem uns auch der frische Fisch aus dem Segara Anak Lake serviert wurde, waren wir dann auch so kaputt, dass wir direkt ins Zelt sind.





Die Nächte im Zelt sind übrigens sehr speziell. Es ist auf der einen Seite total kalt und man braucht ewig um warm zu werden. Im Schlafsack selbst wird es aber irgendwann extrem heiß, außerhalb ist es aber zu kalt. Und der Wind pfeift die ganze Nacht ums Zelt. In jedem Fall eine besondere Erfahrung.
Tag 4 – Abstieg nach Senaru
Am letzten Tag ging es nach einem guten Frühstück wieder zurück nach Senaru. Das sind nochmal über 2.000m im Abstieg. Der Weg verläuft moderat steil erst durch Savannen-ähnliches Gebiet, was wieder eine wirklich sehr staubige Angelegenheit ist – man sollte unbedingt ein Tuch oder so dabei haben. Die letzten zwei Stunden führen dann durch dichten Dschungel.







Am Ausgang des Nationalparks mussten wir uns wieder auschecken und haben nochmal ein letztes Lunch von unseren Portern serviert bekommen, bevor es zurück zum Homestay der Organisation ging.
WE MADE IT! Für uns war die Wanderung auf diesen aktiven Vulkan ein echtes Highlight unserer Reise – eigentlich sogar unseres Lebens! Der Weg führte uns durch Wälder und Savannen, über steile Anstiege und Bergkämme bis hinauf zum Gipfel und wieder hinab zum Kratersee. Besonders der Summit-Trek war extrem hart und hat uns mit Abstand am meisten abverlangt. Aber all die Anstrengung und das Leiden in der Kälte und dem Wind haben sich sowas von gelohnt! Allein für das Gefühl, was man im Anschluss hat 💪❤️
BONUS: Die Etappen
Wir teilen hier mit euch auch die Aufzeichnungen der einzelnen Etappen.
Tag 1 – Etappe 1: Rauf zum Sembalun Crater Rim


Tag 2 – Etappe 1: Der Weg zum Gipfel


Tag 2 – Etappe 2 + 3: Abstieg zum Segara Anak Lake und Aufstieg zum Senaru Crater Rim


Tag 3 – Etappe 1: Abstieg nach Senaru


BONUS 2: Unser Essen
Wir persönlich finden es immer total spannend und wichtig, was es auf solchen Touren zu essen gibt. Als echte Foodies interessiert uns das natürlich immer als erstes. Deswegen wollen wir euch unser hervorragendes Essen auch nicht vorenthalten. Außerdem finden wir, dass die wahnsinnig guten Kochkünste unserer Porter unbedingt nochmal gesondert gewürdigt werden müssen ☺️










Das Essen war nicht nur total lecker, sondern auch extrem vielfältig. Es ist ein Wahnsinn, was die Porter da auf den Berg tragen und dann dort oben auf den Tisch zaubern. Wir sind total dankbar, dass wir so extrem gut bekocht wurden – denn Essen ist unser Tank, und wenn das nicht stimmt, können wir auch keine Leistung abrufen.
Und das war er – der härteste Trip ever.

Schreibe einen Kommentar