Raja Ampat – der Name klingt doch schon total mystisch und abenteuerlich. Zumindest für mich, und das seit ich ihn vor Jahren zum ersten Mal gehört habe. Oft habe ich Bilder und Videos von der Landschaft und der Unterwasserwelt in Dokus oder auf Social Media gesehen, und mir war immer klar, dass ich hier einmal hin muss. Nachdem es 2018 bei unserem ersten langen Aufenthalt in Indonesien nicht geklappt hat, musste es diesmal unbedingt soweit sein. Und so sind wir jetzt hier.
Erster Halt: Sorong
Nicht umsonst findet man in Raja Ampat noch immer die besten Tauchgebiete der Welt, denn die Anreise ist nach wie vor recht lang. Wenn auch relativ unkompliziert mittlerweile. Von Bali brauchten wir aber dennoch zwei Flüge & zwei Fähren. Nach unserem Zwischenstopp in Makassar sind wir erstmal nach Sorong geflogen. Und auf einmal waren wir tatsächlich in PAPUA. Papua ist doch einfach am Ende der Welt und auf einmal sind wir hier – und können es kaum fassen!
In Sorong hatten wir noch einen halben Tag Zeit, um die Stadt ein wenig zu erkunden, denn die Fähre nach Waisai ging erst am nächsten Tag. Sorong ist keine Touristenstadt und die meisten kommen hier nur auf der Durchreise nach Raja Ampat vorbei. Zu Fuß gehen sicherlich auch wenige durch die Straßen und so waren wir wieder ein wenig Attraktion für die Einheimischen 😃
Die Locals haben hier übrigens melanesische Wurzeln und sehen nicht mehr asiatisch aus. Ihre Haut ist viel dunkler, und viele haben lockiges oder krauses Haar.
Unser Zimmer in Sorong war bei einer Familie direkt im Haus. Unter unserem Bett lag eine riesige tote Kakerlake und das erste Mal hatten wir eine Hocktoilette und Mandi (Eimer & Kelle statt Dusche). Das war bei der Buchung gar nicht so ersichtlich, aber für eine Nacht sollte das schon passen. Wir lieben schließlich das Abenteuer und wollen bewusst aus unserer Komfortzone raus ✌️





Ankunft im Paradies
Am nächsten Tag ging es dann endlich los. Von unserem Hotel ab zum Hafen, und von dort mit der Fähre in guten zwei Stunden nach Waisai. Hier mussten wir uns dann erstmal registrieren und zwei Fees bezahlen: das Raja Ampat Visitor Entry Ticket für 300k IDR (ca. 17,50€) und das Raja Ampat Marine Ticket für 700k IDR (ca. 40€) pro Person, welches uns jetzt berechtigt ein Jahr den Marine Park zu besuchen. Man bekommt sogar eine richtig personalisierte Plastikkarte.


Von Waisai wurden wir von unserem Homestay mit einem kleinen Boot abgeholt und es ging in knapp 45 Minuten zu unserer ersten Bleibe auf Pulau Gam. Das Raja Ampat Diva Homestay liegt an einem kleinen, aber feinen Strandabschnitt und hat nur zwei Bungalows. Der Bungalow ist super einfach und nur mit einem Bett ausgestattet, aber immerhin hatten wir ein eigenes Badezimmer. Sogar mit westlicher Toilette, aber ohne Klobrille (und natürlich auch Spülung). Trotzdem gab es einen Duschkopf (aus dem allerdings so wenig Wasser kam, dass ich meine Haare doch mit der Kelle gewaschen habe). Von unserer Terrasse hatten wir einen herrlichen Blick aufs Meer, welches auch nur 2 Meter entfernt war. Besser gehts nicht – and welcome to paradise.




Im Hintergrund unseres Homestays beginnt direkt der Dschungel, der das Zuhause ganz vieler Birds of Paradise ist. Für buntes Gezwitscher und Vogelgesänge war also immer gesorgt. Freddy hat auch direkt am ersten Tag einen Papagei gesehen – nochmal: Welcome to Paradise!
Schorcheln am Hausriff
Was kann man in Raja Ampat am besten machen? Wahrscheinlich tauchen, aber schnorcheln reicht uns erstmal. Und so haben wir wirklich jeden Tag mindestens zwei Schnorchelgänge an unserem eigenen Hausriff gemacht. Denn hier muss man nicht lange mit dem Boot fahren; man kann einfach vom Strand rein und keine fünf Meter entfernt beginnt das bunte und artenreiche Korallenriff genau vor der eigenen Haustür. Besser gehts nicht!
Das Riff ist wirklich klasse hier. Es gibt super viele bunte, intakte Korallen und hunderte verschiedene bunte Fische. Klein, mittel, groß – rot, grün, blau, gelb, gestreift, gepunktet… hier ist wirklich alles dabei. Stundenlang konnten wir uns das Treiben der Fische ansehen und entdeckten zwischen den ganzen Korallen immer wieder Neues. Nachdem wir 2018 auf den Bunaken schnorcheln waren, wo es ja so unfassbar toll war, hatten wir ein bisschen die Lust verloren – einfach weil nichts mithalten konnte. Jetzt haben wir endlich einen Ort gefunden, der mindestens gleichwertig ist.
Unsere Highlights am Hausriff
Wir sind keine Meeresbiologen und haben daher keine Ahnung, ob und was für tolle Fische wir da täglich gesehen haben. Ein paar Dinge konnten wir aber identifizieren:
- Schwarzspitzenriffhai: Gleich am ersten Tag hab ich einen ca. 1,5 m langen Riffhai gesichtet, das war mega!!
- Schildkröten: Super nah konnte ich versuchen mit einer Schildkröte zu schwimmen (keine Chance!). Zusammen haben wir auch nochmal eine gesehen.
- Dugong: Freddy hatte das große Glück eine Seekuh (Dugong) zu sehen und das sogar ganz nah im flachen Wasser. Er hat mich natürlich direkt gerufen, aber die war so schreckhaft und ist sofort verschwunden, so dass ich sie leider nicht mehr sehen konnte.
- Zebrahai: Für uns DAS absolute Highlight war ein Zebrahai, der bestimmt 2m lang war und um die drei Meter vor uns geschwommen ist. Das war was ganz besonderes, vor allem auch, weil wir ihn gemeinsam gesehen haben. Diese geteilten Erlebnisse sind doch immer die schönsten ❤️
Das Dorf Yenbesar
Keine fünf Minuten Fußweg von unserem Homestay liegt das kleine Dorf Yenbesar. Hier gibt es eine Schule, eine Kirche und auch zwei Mini-Shops, bei denen du dir Cola oder Kekse kaufen kannst. Die Bewohner waren alle total freundlich und jeder grüßt und lächelt. Das Dorf ist in zwei Teile unterteilt, wobei der westliche Teil etwas einfacher aus normalen Hütten besteht. Über einen Steg gelangt man zum östlichen Teil, der deutlich “schicker” wirkt: die Häuser sehen richtig ordentlich aus und haben Veranda und Vorgarten. Ganz am Ostende gibt es noch eine Lagune mit tollem grünen Wasser.






Ein Besuch in der Schule
Schon direkt bei Ankunft haben wir Marcel, Guide unseres Homestays, kennengelernt. Er ist auch Englischlehrer an der kleinen Schule in Yenbesar und hat uns eingeladen dort mit ihm zu unterrichten. Und so hatten wir die Ehre die örtliche Schule zu besuchen und ein paar Minuten Englischunterricht zu geben. Das war eine total tolle Erfahrung, hat aber auch mal wieder die Unterschiede dieser Welt gezeigt. Es gibt hier nur zwei Klassen, die grob nach Alter unterteilt sind. So richtigen Unterricht gibt es gar nicht. Die Schüler kommen jeden Morgen um 07:30 Uhr in die Schule, bekommen Aufgaben zum Selbststudium und haben um 09:30 Uhr wieder Schluss. Uns wundert es nicht, dass den Schülern die Motivation fehlt. Das Verrückte: die Kinder hatten Englisch-Lehrbücher für Grade 7, konnten aber nicht mal die Frage beantworten, wie es ihnen geht. Und noch verrückter: Marcel, der Englischlehrer, kann selbst gar nicht besonders gut Englisch sprechen und hat unsere Fragen oft überhaupt nicht verstanden 🤔




Trotzdem ist es großartig zu sehen, dass es hier jemanden gibt, der mit so viel Herzblut dabei ist und wirklich etwas bei den Kindern bewegen will. Bei den hier zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ist das schon super viel wert.
Die Friwen Wall
Da wir sechs Nächte in unserem Homestay übernachtet haben, gab es für uns einen Schnorchelausflug for free. Und diesen haben wir an die berühmte Friwen Wall gemacht. Die kleine Insel Friwen liegt gegenüber von Gam, ca. 1000 Meter von unserem Homestay entfernt. Dahinter liegt noch die unbebaute Insel Friwenbonda, an welcher die Friwen Wall zu finden ist. Was ist denn nun diese Friwen Wall? Der Fels der Insel geht einfach unter Wasser weiter, ist mit Korallen bedeckt und stürzt dann wie eine Wand in die Tiefen des Meers hinab – die Wall.



Und was für eine schöne Wand das ist. So bunte, vielfältige Korallen haben wir noch nicht gesehen. Weiche, harte, rote, gelbe, blaue, violette, braune, schwarze, grüne… Formen und Formationen, wie von einem anderen Planeten. Die einzigartige Unterwasserwelt ist einfach atemberaubend. Und dazu eine Milliarde Fisch. Alle Arten, groß, klein, dick, dünn, schwarz, silber, blau, gelb, bunt, gestreift, gepunktet…. die Aufzählung könnte ewig so weitergehen. Ihr könnt gerne mal Fischarten Raja Ampat googeln 🙃
Und hier können wir jetzt tatsächlich sagen: Der Spot hat die Bunaken getoppt. So bunt, gesund und vielfältig war es dort nicht.
Wir haben leider keine Unterwassercam dabei, deswegen bleiben all die Bilder nur in unserer Erinnerung. Wir saugen aber alles auf und speichern sie ganz tief in uns… was wir euch aber bestätigen können: Die Bilder bei Google sind echt. So sieht es hier tatsächlich aus. Und wirklich JEDER muss das mal gesehen haben!
6 Tage Entspannung pur
Jeder der schon länger auf Reisen war, weiß, dass es zwischendurch auch ganz schön anstrengend sein kann. Auch wenn man so viel Zeit hat wie wir, will man doch jeden Tag irgendwie ausnutzen. Zumal wir so abenteuerlustig sind und auch viel erleben wollen. Manchmal braucht man daher auch wieder Pausen, um so richtig zu entspannen. Und so kamen uns die 6 Tage an diesem einsamen Strand super gelegen. Denn außer schnorcheln, sonnen, essen, baden, spielen und Sport, kann man hier nicht viel machen. Und so hatten wir ganze sechs Tage pure Entspannung. Das Schöne: Wir waren von unseren Nächten tatsächlich auch vier ganz alleine in dem Homestay. Für zwei Nächte leistete uns dann Karin Gesellschaft, einer Solo-Travellerin aus Krefeld – war auch ganz nett.












Drohni haben wir hier natürlich auch steigen lassen und somit ein paar Klasse Fotos von unserem Homestay, dem Riff und der Kante gemacht:






Was sonst noch in Erinnerung bleibt: Das Essen
Erwähnenswert ist unbedingt das super gute Essen, welches uns hier serviert wurde. Da man hier am Ende der Welt im Nirgendwo lebt, gibt es natürlich keine Restaurants, so dass jede Unterkunft mit Full Board, also drei Mahlzeiten am Tag daher kommt. In Reiseforen heißt es oft, dass man dadurch auf die Raja Ampat Diät gesetzt wird, weil es meist nur Reis, Wasserspinat und Fisch geben soll. Das können wir überhaupt nicht bestätigen. Im Raja Ampat Diva Homestay wurden wir SO gut bekocht, dass man hier wahrscheinlich sogar eher zunimmt, wenn man nicht genügend schnorchelt 😉
Wir waren sechs Tage hier und uns wurde bei jeder Mahlzeit etwas anderes serviert. Zum Frühstück gibt es hier meist süß, das heißt Fried Banana, Kue Padan oder Kacang-Küchlein. Zum Mittag und Abendessen gab es diverse Köstlichkeiten: Immer ganz viel Veggies, Tofu, Tempeh, Jagung Goreng, Omelette… für Freddy gab es frischen Fisch und einmal sogar Fleisch (das ist hier sehr selten). Und natürlich Reis 🍚 Die beiden Damen in unserem Homestay sind auf jeden Fall absolut grandiose Köchinnen.
Hier eine kleine Auswahl unserer Speisen:








Anfangs denkt man 6 Tage an einem so einsamen Ort – das wird doch sicherlich irgendwann langweilig. Das wurde es uns überhaupt nicht. Und auch wenn wir uns jetzt auf den nächsten Standort im Raja Ampat Archipel freuen, sind wir auch ein bisschen wehmütig, diesen paradiesischen Ort verlassen zu müssen.

Schreibe einen Kommentar