Jeder der mich kennt weiß, dass Affen meine absoluten Lieblingstiere sind. Und so war es schon immer ein Traum von mir einmal die Orang-Utans zu sehen. Das ist nur an zwei Orten der Welt möglich: auf Borneo und Sumatra. 

Als wir unsere Reise geplant haben, war ziemlich schnell klar, dass wir das einbauen müssen. Wer weiß, wann wir wieder so viel Zeit haben und sich die Gelegenheit bietet. Und so war die Tour auch das allererste, was wir für die Reise gebucht haben. 

Der Tanjung Puting Nationalpark liegt im Süden Borneos in der Nähe der kleinen Stadt Pangkalan Bun. Um von Raja Ampat hierherzukommen war schon eine kleine Weltreise nötig: Sorong -> Ambon -> Surabaya -> Pangkalan Bun. Letzten Mittwoch sind wir dann aber endlich hier angekommen und hatten noch einen halben Tag in der kleinen Stadt. Borneo hat uns sogleich mit tropischem Dschungel Wetter begrüßt und so konnte Freddy bei schönem Regen im Pool baden 😅

Am Abend sind wir noch ein wenig durch die Straßen geschlendert, haben am bisher kleinsten Stand Nasi Goreng und CapCay gegessen und uns im Anschluss den vorerst letzten Martabak gegönnt; was dazu auch noch der leckerste bisher war 😋 

Tag 1: Ein Kindheitstraum wird wahr

Am ersten Tag wurden wir gegen 10 Uhr von unserem Guide Rival abgeholt. Als erstes ging es in den Hafenort Kumai, von dem wir mit unserem Klotok-Boot starten sollten. 

Das Boot ist komplett offen, hat ein Bett, einen Esstisch und ein kleines Deck mit Sitzsäcken. Außerdem gibt es ein Mini-Bad mit Dusche und WC. Unter Deck „lebt“ unsere Crew, die aus unserem Guide, einer Köchin, dem Captain und Co-Captain besteht. 

Von Kumai fuhren wir auf dem Kumai River los und bogen nach ca. 20 Minuten auf den Sekonyer River ein, der uns in den Tanjung Puting Nationalpark führen sollte. 

Camp Tanjung Harapan

Nach ca. 2,5 Stunden Fahrt kamen wir im ersten Camp Tanjung Harapan an. Hier sollten wir mit Glück das erste mal in unserem Leben Orang-Utans in freier Wildbahn sehen. Denn: es handelt sich bei den Camps nicht mehr um Auffangstationen. Die Population hat sich in den letzten Jahren durch die Arbeit des Conservation Centers normalisiert, so dass alle Orang-Utans wieder frei in den jeweiligen Arealen leben. Die Auffangstation wurde nach Pangkalan Bun verlegt und hier kommen nur noch verletze Affen hin. Das bedeutet aber auch, dass man nie sicher sein kann, welche zu sehen. Es finden zwar täglich Fütterungen statt; aber gerade in der Flower- und Fruit-Season sind die Affen nicht auf das zusätzliche Futter angewiesen, weil der Dschungel genug bietet.

Gegen 14:30 Uhr machten wir uns auf den Weg in den Dschungel. Und schon nach kurzer Zeit hatten wir das Glück oben in den Bäumen eine Mutter mit ihrem Kind sitzen zu sehen. Dieser Moment war einfach unbeschreiblich. Ich hatte Krokodilstränen in den Augen, denn da wurde wirklich ein Kindheitstraum wahr. Mega! 

Und dabei sollte es nicht bleiben. Auch zur Fütterung kamen mehrere Orang-Utans. Es ist total spannend das soziale Gefüge und die Interaktionen zwischen den Affen zu beobachten. Kurz vor Schluss hatten wir dann sogar noch das Glück, dass ein Männchen kam – King Roger, der König dieses Teils im Dschungel. 

Und so war direkt der allererste Tag unserer Tour ein total Erfolg 🤩 

Mit unserem Boot sind wir übrigens noch weiter gefahren und haben einfach irgendwo am Rande des Flusses angelegt und dort die Nacht verbracht. Wirklich ein einmaliges Erlebnis. Im offenen Boot auf dem Fluss im Dschungel schlafen – wow! 

Tag 2: Camp Leaky & Nachtwanderung 

Der zweite Tag startete erstmal mit einem Frühstück mit Blick auf den Fluss. Natürlich werden wir auch hier wieder köstlich bekocht und bekommen drei Mahlzeiten am Tag; Kaffee, Tee und Wasser all-day inklusive. 

Im Anschluss sind wir den Sekonyer River weiter entlanggefahren bis zum Camp Leaky, wo wir gegen Mittag angekommen sind. Das Camp Leaky gibt es seit 1971 und es diente lange als Forschungsstation und Rettungszentrum für verwaiste oder in Gefangenschaft gehaltene Orang-Utans.

Nach dem Lunch haben wir uns auf den Weg in den Dschungel gemacht. An der Feeding Station durften wir dann gleich eine ganz besondere Entdeckung machen – es kam nämlich ein Gibbon aus dem Dschungel gehangelt 🤩 Der war vielleicht cool! Und viel größer als wir uns so einen Gibbon vorgestellt hatten. Wie er sich da so von Ast zu Ast schwingt oder am Baum hängt, wirklich sensationell zu beobachten. Wieder ein richtiger happy moment für uns 🥰 

Ein Orang Utan Weibchen hat sich auch noch blicken lassen, und so war auch dieser Tag ein voller Erfolg. Den Rest des Nachmittages schipperten wir weiter über den Fluss und konnten mal so richtig abschalten und die Natur links und rechts genießen. Während der Fahrt kann man nach weiteren Tieren Ausschau halten: Longtail Makaks, Nasenaffen, Krokodile, Black Hornbill, Kingfisher und natürlich Orang-Utans leben hier alle am Fluss und im Dschungel. 

Nachtwanderung 

Am frühen Abend sind wir am Camp Pondok Ambung angekommen. Sobald es dunkel war, so gegen 18 Uhr, haben wir eine Nachtwanderung durch den Dschungel gemacht. Mit unserer Grubenlampe ausgestattet, ging es mit einem Ranger rund 45 Minuten einen dicht bewachsenen Pfad entlang. Das Highlight: die großen Tarantulas. Super gruselig, aber faszinierend zu sehen. Außerdem haben wir noch andere Spinnen, Monster-Ameisen, riesige fleischfressende Pflanzen und glowing Mushrooms gesehen. Eine tolle Erfahrung! 

Tag 3: Kann das denn alles wahr sein?

Nach dem Frühstück ging es direkt los ins Camp Pondok Ambung. Diesmal war die Fütterung direkt morgens, und für uns war es wirklich eines der allerbesten Erlebnisse. Es kamen super viele Orang-Utans mit Kind und Baby, und wir konnten ganz entspannt 1,5 Stunden die Interaktionen und sozialen Gefüge beobachten. Das ist einfach super spannend! Die sind teilweise total ängstlich und trauen sich nicht auf die Plattform, wenn andere dort sind. Einige verweilen und warten ewig in den Baumwipfeln, bevor sich sich endlich runter trauen. Wieder andere schnappen sich schnell Bananen und verschwinden wieder. Das war einfach das beste Erlebnis mit Tieren, das wir je hatten. 

Nach der Fütterung haben wir noch eine kleine Dschungelwanderung gemacht. Es ging für knapp 4 km durch wirklich dichten Dschungel. Einmal mussten wir sogar durch einen Bienenschwarm gehen, weil der Weg an ihrem Honigbaum vorbeiführte. Aber der Ranger versicherte uns, dass sie nicht stechen 😅 

Zurück am Schiff gab es erstmal Lunch. Und wie wir dort so sitzen und die Aussicht genießen, hören wir es auf einmal ganz nah rascheln und sehen die Bäume schwanken. Das ist immer das Zeichen für Affen. Und auf einmal guckt uns dort ein riesiges Männchen an. Ich muss zugeben, dass mir da schon etwas mulmig zumute war. Der hat uns nämlich ganz direkt angeschaut. Freddy ist mutig und auf den Steg gegangen, um ihn besser zu sehen, aber dann ist er wieder im Dschungel verschwunden. Das war ein Erlebnis, einfach unvergesslich!

Am Nachmittag ging es weiter über den Fluss bis zum Sekonyer Village, einem traditionellen Dorf hier am Fluss. Die Menschen leben entweder vom Fischfang oder sind bei der Palmoil Company angestellt… für Palmöl wurde hier nämlich bereits fast der komplette nördliche Teil des Dschungels plattgemacht. 

Im Anschluss sind wir weiter und haben Ausschau nach den Proboscis Monkeys, oder auch Nasenaffen, Ausschau gehalten. Die haben wir während der Fahrt nämlich nur aus der Ferne erahnen können. Am späten Nachmittag kommen sie aber gerne ans Flussufer zum trinken und so mussten wir auch gar nicht lange suchen, bis wir eine Gruppe auf einem Baum entdeckt haben. Inklusive Baba mit riesiger Nase, toll! 😍 

Tag 4: Dschungeltrekking & Abschied von den Orang-Utans

Nach einem frühen Frühstück sollte heute unser langer Dschungel-Trek anstehen. Mit einem Ranger und unserem Guide Rival ging es durch dichten kalimantanischen Dschungel. Und der ist ganz anders, als den den wir bisher gesehen haben. Viel feuchter, viel dichter, irgendwie undurchdringlich. Und so mussten wir auch einige Male über Baumstümpfe balancieren, um keine nassen Füße zu bekommen 🤣 

Nach 2 Stunden und knapp 7 km war allerdings schon Schluss. Wir hatten das Ende erreicht. Hm, da hatten wir uns eine etwas längere Wanderung gewünscht. 

Von hier ging es mit einem Kanu über einen kleineren Zubringerfluss zurück zum Sekonyer River. Das war super! Eine ganz entspannte und ruhige Fahrt, richtig idyllisch mitten durch den Dschungel ☺️ Insgesamt haben wir sogar drei Kingfisher (das sind Vögel, könnt ihr ja mal googeln) gesehen. Zu Freddys Unzufriedenheit war ich leider zu langsam mit dem Handy für ein Foto 😒

Insgesamt war der kleine Trip klasse, wir hatten nur etwas anderes erwartet. Es sollte schließlich ein All-Day-Trek sein und das war es definitiv nicht. Etwas schade. 

Dafür ging es am Nachmittag für uns nochmal zur Fütterung ins Camp Tanjung Harupan. Und hier erwartete uns schon direkt bei Ankunft das Männchen 😎 

Der hing da ganz geschmeidig am Baum und stellte sicher, dass kein anderer auf die Plattform geht. Und so war er diesmal der erste, der an die Bananen kam. Der Unterschied: das Männchen hat überhaupt keine Sorgen oder Ängste. Er sitzt ganz gemütlich und frisst eine Banane nach der anderen, ganz genüsslich. Währenddessen hängen Weibchen und Babys in Lauerstellung in den Bäumen. 

Irgendwann trauten sich dann ein Weibchen und Baby auf die Plattform. Ganz vorsichtig schlichen sie heran, tranken Milch und nahmen ein paar Bananen. Als sie durch waren, kam das nächste Weibchen mit Baby. Diesmal hat der Baba sie aber nicht so einfach futtern lassen. Vielmehr war er am Weibchen interessiert; sie aber so gar nicht an ihm. Sie hatte ja schließlich auch schon ein Baby 😅 Er versuchte wirklich alles, sogar die harte aggressive Tour, aber es brachte nix. 

Auch das war wieder eine extrem spannende Situation und Erfahrung, die wir da machen durften. Selbst unser Guide hat das so zum ersten Mal gesehen, also wirklich etwas ganz besonderes. Ich fand die aggressive Haltung etwas angsteinflößend und mir tat das Weibchen auch extrem leid, aber so ist die Tierwelt wohl… 

Und so verabschiedeten wir uns von den Orang-Utans, denn das war schon unser letzter Tag der Tour. Im Anschluss ging es auf dem Fluss schonmal in die Richtung von Kumai, wobei wir aber noch auf dem Sekonyer River den Abend und die Nacht verbrachten. 

Stundenlanges Gewitter

Am Abend durften wir dann noch eine neue Erfahrung machen, denn Gewitter auf einem Boot im Dschungel hatten wir auch noch nicht erlebt. Zumindest nicht SO. Es hat hier jeden Tag irgendwo geblitzt und gedonnert, aber meistens in angenehmer Entfernung zu uns. Diesmal war das Gewitter teilweise direkt über uns; Blitz und Donner unter einer Sekunde auseinander. Und es kam eine Gewitterzelle nach der anderen. Das Ganze dauerte mehrere Stunden und wechselte zwischen krassen und leichten Phasen hin und her. Das ist schon gigantisch die Natur in ihrer ganzen Kraft zu erleben, während man selbst auf einem so kleinen Boot sitzt und wieder realisiert, wie klein man selbst eigentlich ist 😅 

Und so hatten wir einen krönenden Abschluss unserer Tour, die aus lauter lucky und happy moments für uns besteht 🥰 Es war wirklich ein ganz tolles Erlebnis und wir würden eine solche Tour jedem empfehlen, der Orang-Utans einmal in ihrer natürlichen Lebensumgebung sehen möchte. Denn das Schöne ist, dass die Tiere wirklich frei und wild sind. Die Fütterungen dienen nur als Zusatz zu ihrer Ernährung und sie entscheiden selbst, wann und wie oft sie kommen. Laut den Guides hatten wir großes Glück so viele Orang-Utans gesehen zu haben, da die letzte 2-3 Wochen aufgrund der Flower Season wohl kaum welche kamen 😌 Für mich hat sich hier definitiv ein Kindheitstraum erfüllt und ich könnte glücklicher nicht sein. 

Auch mit den anderen Tieren und Affenarten hatten wir kein Pech und haben super viel gesehen – nur leider keine Krokodile ☹️ 

Am nächsten Morgen ging es ganz früh zurück nach Kumai, von dort direkt zum Airport, zuerst nach Jakarta und dann nach Bangkok – denn wir müssen Indonesien leider verlassen 😢 


3 Antworten zu „Unsere Klotok-Tour durch den Tanjung Puting Nationalpark “

  1. Avatar von Thekla
    Thekla

    Wau das ist sowas von schön ich wäre gerne dabei gewesen dieses Erlebnis werdet ihr niemals vergessen 🤩🥰

  2. Avatar von Nati
    Nati

    Was soll ich sagen? Ich könnte weinen vor Freude, weil ich weiß wie besonders es für dich war diese wunderbaren Tiere zu sehen. Ich glaube das ist eine Erfahrung die für immer in deinem Herzen bleibt. So so so toll ❤️

  3. […] Tiere einmal hautnah erleben zu dürfen ist wirklich ein Geschenk. Und auch sonst war die Klotok-Tour ein einziges Highlight, welches wir so schnell (oder wahrscheinlich nie) vergessen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert